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WG für das Wohnen im Alter

Jetzt geht’s voran: Für die Wohnsiedlung «Am Hof» auf dem Areal der alten Migros in Köniz wurden Investor und Bauunternehmen gefunden. Wird das Baugesuch bewiligt, möchte die Projektleitung im Frühjahr loslegen
Von Annina Hasler. Berner Zeitung am 21.08.2009

Auf dem Areal der alten Migros in Köniz stehen Bauprofile. Dies wirft in der Bevölkerung Fragen auf. Nun informierte Gemeindepräsident Luc Mentha (SP) über den Stand der Dinge im Projekt «Am Hof»: Die Verträge mit der Investorin und dem Generalunternehmen sind unterschrieben, das Baugesuch wurde eingereicht. Mit der Losinger Constructions AG konnte eine einheimische Firma als Totalunternehmerin gewonnen werden. Investorin wird die Gebäudeversicherung des Kantons Bern. Die geplante Wohnüberbauung soll 49 Genossenschaftswohnungen beherbergen für «Menschen in der zweiten Lebenshälfte».

Es geht endlich voran
Bereits 2007 haben die Stimmberechtigten von Köniz die für das Projekt nötige Anpassung der baulichen Grundordnung genehmigt (wir berichteten). Da aber eine Beschwerde bis vor den Kanton weitergezogen worden war, verzögerte sich die Realisierung des Baus. Zusätzlich zog sich die vorgesehene Genealuntemehmerin Senn BPM aus 5t Gallen zurück. Erneut wurde die Planung zurückgeworfen.

Doch nun scheint, sich alles zum Guten zu wenden. Mentha glaubt fest an die Bewilligung des Baugesuchs durch die Berner Regierungsstatthalterin Regula Mader. Doch zu früh freuen will er sich nicht: «Die Erfahrung zeigt, welche Überraschungen passieren können.»

Lockere Hausgemeinschaft
Die 23,5 Millionen Franken teure Überbauung «Am Hof» von den Architekten Durrer und Linggi war die Siegerin eines Wettbewerbs. Entstehen werden zwei Gebäude. Im Erdgeschoss sind Gewerbeflächen vorgesehen.

Simone Gatti, die Präsidentin der Genossenschaft «Am Hof», erzählt, drei der 49 Wohnungen seien bereits fest reserviert worden. «Es soll eine lockere Hausgemeinschaft für die Generation 50+ entstehen», sagt Gatti. Die Wohnungspreise liegen im oberen Preissegment, für eine 3-Zimmer-Wohnung sollen zwischen 1700 und 2200 Franken bezahlt werden. Gatti relativiert: «Da die Gebäude aber nach Minergiestandard gebaut werden, entstehen nur geringe Nebenkosten.» Die ersten Wohnungen sollen im Herbst 2011 bezugsbereit sein.

Siedlung «Am Hof» erneut gebremst

Von Katharina Merkle. Berner Zeitung am 07.10.2009

An bester Lage in Köniz stockt die Planung. Denn gegen die Wohn- und Geschäftssiedlung «Am Hof» ging erneut eine Einsprache ein. Der Baustart für das Prestigeprojekt dürfte sich einmal mehr verzögern.

Die Bauprofile an der Landorfstrasse ragen hoffnungsfroh in den Himmel. Der unschöne Flachdachbau der alten Migros, ein Parkplatz, einzelne ältere Häuser sollen verschwinden. Die Gemeinde hat ein Baugesuch für die neue Wohnsiedlung und ein Abbruchgesuch publiziert. Nach Ende der Frist kommt nun die Hiobsbotschaft für den Gemeinderat und die Investoren: Gegen das Projekt ist eine Einsprache eingegangen, eine erneute Verzögerung ist somit sehr wahrscheinlich. Geplant war der bereits verzögerte Baustart für Frühling 2010, im Herbst 2011 sollten die Bewohner einziehen können. Die Überbauung kostet 23,5 Millionen Franken. In einem Längs- und einem Punktbau sollen Wohnungen für die Generation 50+ sowie Gewerberäume entstehen.

Investor zog sich zurück
«Das ist sehr schade», sagt Baudirektorin Katrin Sedlmayer (SP). Der gesamte Könizer Gemeinderat habe ein grosses Interesse daran, dass es mit dem Projekt vorwärtsgeht. Denn die Pläne der Genossenschaft «Am Hof» seien attraktiv. «Die Siedlung würde unser Ortszentrum deutlich aufwerten», so Sedlmayer.

Wegen des laufenden Verfahrens nennen weder die Gemeinderätin noch das Statthalteramt den Namen des Einsprechers. Klar ist: Es handelt sich um einen Anwohner oder eine Anwohnerin. Zu dieser direkten Nachbarschaft gehört Architekt Urs Reust. Er hatte vergangenes Jahr wegen «Am Hof» Beschwerde gegen die Gemeinde geführt, deren Inhalt nicht publik gemacht wurde. Die Umsetzung verzögerte sich dadurch erneut. Die verantwortliche Bauunternehmung Senn BPM aus der Region St.Gallen sprang ab. Seither tritt die Gebäudeversicherung des Kantons Bern (GVB) als Generalunternehmerin auf. Urs Reust wollte gestern auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren, dass er es ist, der die aktuelle Einsprache eingereicht hat. Bekannt ist: Auch Reust hatte Ideen für die Überbauung eingereicht. Sieger des Wettbewerbs wurde dann vor drei Jahren das Zürcher Büro Durrer Linggi Architekten.

Mit Verspätung
Wer auch immer der Einsprecher ist: Er schlägt eine kräftige Breitseite gegen die Überbauungspläne an der Landorfstrasse. Den Vorwürfen widersprach Gemeinderätin Sedlmayer gestern auf Anfrage «dezidiert». Die Genossenschaft wollte ursprünglich vor einem Jahr zu bauen beginnen. Ihre Stellungnahme zum erneuten Rückschlag kann sie ferienhalber erst in zwei Wochen abgeben.

Gemäss Statthalteramt beanstandet der Einsprecher unter anderem dies: – das Bauprojekt sei nicht auf die Nachbargebäude abgestimmt; – Veloabstellplätze fehlten; – die Vorgehensweise der Gemeinde sei nicht gut; – ohne Überbauungsordnung dürfe man an diesem Standort nicht bauen; – das aktuelle Bauprojekt entspreche nicht mehr dem Ergebnis des Projektwettbewerbs.

Kritik für Wohnprojekt «Am Hof»

Von Hanna Jordi. Der Bund am 09.10.2009

«Am Hof» stösst erneut auf Widerstand: Ein Anwohner hat eine Einsprache gegen das Wohnprojekt eingereicht. Diese könnte den Baubeginn nun verzögern. Das Projekt als Ganzes sieht Baudirektorin Katrin Sedlmayer (sp) aber nicht in Gefahr.

Sofern die Baubewilligung zügig erteilt werde, könnten die Bagger im Frühling 2010 auffahren, hatte Köniz’ Gemeindepräsident Luc Mentha (sp) im August an einer Pressekonferenz gesagt. Nach Ablauf der Einsprachenfrist ist nun aber eine Einsprache gegen die geplanten Wohngebäude an der Landorfstrasse in Köniz eingegangen. Diese Einsprache fügt sich ein in eine Reihe von Problemen mit «Am Hof».

Verzögerungen bei der Planung
Geplant ist eine Wohnüberbauung für gemeinschaftliches Wohnen auf dem ehemaligen Gelände der Migros. Nachdem die Könizer Bevölkerung der erforderlichen Umzonung 2007 zugestimmt hatte, häuften sich die Probleme. Die durch einen ansässigen Gewerbler eingereichte Einsprache gegen die Änderung des Zonenplans wurde zwar abgewiesen, dafür zog sich die St. Galler Baufirma zurück. Nachdem sich die Gebäudeversicherung des Kantons Bern als Investorin und Baurechtsnehmerin angeboten hatte und das Projekt aufwendig optimiert worden war, konnte das Baubewilligungsverfahren im August endlich eingeleitet werden.

«Verzögert, nicht verhindert»
Laut einem Bericht in der gestrigen «Berner Zeitung» kritisiert der Einsprecher neben inhaltlichen Belangen ganz allgemein auch die Vorgehensweise der Gemeinde. So sei etwa der Wettbewerb, bei dem der Entwurf «Am Hof» der Zürcher Architekten Durrer und Linggiden ersten Platz belegte, nicht korrekt abgelaufen. Diese Kritik sei haltlos, kommentiert die Baudirektorin der Gemeinde, Katrin Sedlmayer (sp), den Vorwurf: «Das Vorgehen wurde durch den Gemeinderat abgesegnet.» Insgesamt gibt sie der Einsprache «keine grossen Chancen». «Das Projekt wurde sorgfältig geplant und ist baureif», sagt sie, «alle Beteiligten haben ein grosses Interesse daran, dass es jetzt verwirklicht wird.» Über die Person des Einsprechers äusserte sich Sedlmayer nicht.

Die Einsprache wird nun im Statthalteramt geprüft. Sofern der Einsprecher sie nicht weiterzieht, sieht Sedlmayer den vorgesehenen Baubeginn im nächsten Frühjahr nicht gefährdet. «Und andernfalls wird das Projekt zwar verzögert, nicht aber verhindert», sagt sie. Betreiberin der rund 20 Millionen teuren Anlage ist die Genossenschaft Am Hof Köniz. Sie will die 1- bis 3.5-Zimmer-Wohnungen an «Singles und Paare in der zweiten Lebenshälfte”» vermieten, wie auf der Homepage zu lesen ist.

Die Wohnform unterscheidet sich von herkömmlichen Alterswohnungen dadurch, dass es keine ständige Betreuung gibt: Die Mieter erklären sich bereit, einige Stunden pro Woche in das Wohl der Hausgemeinschaft zu investieren. Genossenschaftspräsidentin Simone Gatti leitet mit der Walliseller Genossenschaft Zukunftswohnen bereits verschiedene ähnliche Wohnprojekte in der ganzen Schweiz.

Jetzt beginnt der Abbruch

Mit Verzögerung durch eine Einsprache sind die Abbrucharbeiten auf dem Areal der ehemaligen Migros in vollem Gange. Bis Ende 2011 soll die Überbauung “Am Hof” mit 52 Wohneinheiten und Gewerbefläche entstehen.
Von Simone Wölfli. Berner Zeitung am 29.01.2010

Krachend fällt die Baggerschaufel in das Dach des Kioskgebäudes. Das Holz knirscht und die dünnen Wände beben. Nach ein paar weiteren Baggerangriffen bricht das kleine Gebäude in sich zusammen, Der symbolhafte Spatenstich ist der Auftakt zum Projekt «Am Hof», einer Wohnbausiedlung auf 6600 Quadratmetern an der Landorfstrasse in Köniz. Wo früher Migroskunden ihren frischen Fisch kauften und im angrenzenden Kiosk ihre Zeitschriften und Zigaretten erstanden und wo später der Schnäppchenmarkt für ein bunt gemischtes Angebot sorgte, sollen im Herbst kommenden Jahres Einzelpersonen und Paare in der zweiten Lebenshälfte einziehen.

Wir legen jetzt los
«Wir haben bisher über hundert Anfragen», berichtet Simone Gatti, Präsidentin der Genossenschaft «Am Hof». Künftige Bewohnerinnen und Bewohner sollen sich dort auch im Alter wohl fühlen und je nach Möglichkeiten am gemeinsamen Leben in der Hausgemeinschaft teilnehmen. Die Genossenschaft habe drei feste Zusagen mit Anzahlungen für Wohnungen. «Jetzt legen wir richtig los mit der Öffentlichkeitsarbeit», sagt Gatti. Sie kann sich auch vorstellen, dass jüngere Mieter einziehen, die dann später von den Dienstleistungen für Senioren profitieren. Ebenfalls sucht sie Gewerbetreibende und Dienstleister, die sich im Erdgeschoss einmieten wollen. Bis Mitte Dezember letzten Jahres schien sich der Baubeginn erneut zu verzögern: Ein Einsprecher aus der Nachbarschaft wehrte sich vehement gegen die Überbauungspläne des Projekts «Am Hof». Der Einsprecher zog noch vor Jahresende seine Einsprache zurück, und dem Baubeginn steht nun nichts mehr im Wege. Orazio Galfo von der Totalunternehmerin Losinger rechnet mit Gesamtkosten von 23,5 Millionen Franken.

Eternitplatten entsorgen
Bevor der Bagger alle Gebäude niederreisst, untersuchen Spezialisten die Eternitplatten an den Fassaden. «Bei über 25jährigen Gebäuden müssen solche Platten auf Asbest hin geprüft werden», erklärt Ga1fo. Diese ersten Arbeiten sind fast abgeschlossen, und in den nächsten sechs Wochen werden die alte Migrosfiliale, der ehemalige Kiosk und das Brönnimann-Gebäude dem Erdboden gleich gemacht.

Genossenschaftsanteile
52 Wohnungen mit Flächen von 47 bis 102 Quadratmetern stehen Ende 2011 für neue Mieter bereit. Mitglieder der Genossenschaft «Am Hof» haben die Möglichkeit, mit einem Darlehen ihre künftigen Mietzinse zu senken. Dem einen oder anderen neuen Bewohner wird wohl die alte Migrosfiliale noch in guter Erinnerung sein.

Die Siedlung «Am Hof» ist zu leer

Von Lucia Probst, am 16.01.2012 in der Berner Zeitung

Die neue Vorzeigesiedlung «Am Hof» im Zentrum hat Schwierigkeiten, Mieter zu finden. Zahlreiche Wohnungen und grosse Gewerbeflächen sind noch nicht vermietet Noch ist die Wohnsiedlung «Am Hof» längst nicht so belebt, wie sich das die Betreiber wünschen. «Wir haben teils Mühe, Mieter zu finden», sagt Anna Thüler von der Genossenschaft am Hof, welche die zwei neuen Liegenschaften mitten im Zentrum von Köniz verwaltet. Gedacht sind sie als Wohnbauten für Menschen ab 50 Jahren, ergänzt sind sie mit Gewerbe.

Probleme bereitet vor allem der würfelförmige Punktbau, der näher am Bläuackerplatz liegt. Noch kaum eine Klingel oder ein Briefkastenschild sind an der Landorfstrasse 7 beschriftet. Von 16 Wohnungen sind erst drei vermietet. Dass es harzt, führt Thüler primär auf die Preise zurück. Der Punktbau ist teurer als der Langbau daneben an der Landorfstrasse 21, vor allem, weil die Wohnungen grösser sind. Eine rund 81 Quadratmeter grosse Dreizimmerwohnung ist ohne Nebenkosten ab 1850.– Franken pro Monat zu haben.

Hohe Miete, teurer Ausbau
Im Erdgeschoss warten seit Anfang November 340 Quadratmeter Gewerbefläche darauf, genutzt zu werden. Noch sieht es in den Räumen aus wie auf einer Baustelle, denn sie werden im Rohbau vermietet. Eine Bäckerei hat sich schon interessiert, ein Blumenladen, ein Fitnesscenter, ein Zahnarzt. Auch für eine Gastronutzung kamen laut Thüler Anfragen. Namen nennt sie keine. Viele Ideen zerschlugen sich, über einige wird noch verhandelt. 350.– Franken Miete kostet der Quadratmeter hier jährlich. Hinzu kommen die Ausbaukosten. «Das schreckt viele ab, wer nicht auf die zentrale Lage angewiesen ist, kann in Köniz ab rund 120.– Franken Gewerbefläche mieten», sagt Thüler.

Zwei Jahre Start-up-Zeit
Um ihre Chancen zu verbessern, hat die Genossenschaft ein neues Preismodell eingeführt: Die ersten zwei Jahre ist die Miete im Punktbau etwas günstiger. «Wir hoffen, dass sich mit dem gestaffelten Mietzins Interessenten den Ausbau eher leisten können», sagt Thüler. Die Wohnungen versucht sie weiterhin zu den aktuellen Konditionen zu vermieten.«Wir haben wenig finanziellen Spielraum», sagt Thüler. Das Risiko trägt vorerst nicht die Genossenschaft, sondern die Gebäudeversicherung Bern, welche die Siedlung erstellt hat. «Wir haben eine Start-up-Phase von zwei Jahren», sagt Thüler. Bis Ende 2013 bleibt also noch Zeit.

Bekannter geworden
Besser sieht es im Langbau aus: Von 33 Wohnungen sind 31 vermietet. Hier zeigt sich auch, dass das Konzept, das auf ältere Leute abzielt, durchaus Echo findet. «Die meisten Mieter sind 60 oder älter», sagt Thüler. Einige von diesen nutzen auch die Angebote der Spitex. Die Spitex ist wie der Optiker Rolli, ein Kioskshop und ein Coiffeur-/Kosmetikladen im Langbau als Gewerbe eingezogen. Ebenso der Claro-Laden, der Ende Oktober vom Schulhausgässli beim Schwimmbad ins Zentrum zügelte. «Bis jetzt läuft das Geschäft sehr gut», sagt Cornelia Tschopp, freiwillige Verkäuferin und Mitglied des Claro-Vereins. Das neue Lokal ist zwar teurer. «Aber die Lage ist gut, wir merken, dass wir viel bekannter sind und neue Kundschaft haben», freut sich Tschopp.

Kommentar eines Lesers
Geschieht denen recht! Wer baut schon solch sehr teure Wohnungen mit sehr grossem Balkon, an einer stark befahrenen Strasse, mitten in Köniz? Wohl nur inkompetente Abzocker? Bei diesen Preisen kann man ebenso gut ein Haus in der Agglomeration kaufen inkl. mit Aussicht und an ruhiger Lage.

Damit im Alter keiner geknickt ist

Von Markus Ganz. In der «Sonntagszeitung» am 13.05.2012

Die meisten, die in der Überbauung Am Hof in Köniz wohnen, suchen auch in der zweiten Lebenshälfte Gesellschaft. Hier können über Fünfzigjährige selbstbestimmt und gemeinsam wohnen.

Eine Gruppe von Bewohnern der Könizer Überbauung Am Hof diskutiert lebhaft die Gartengestaltung. Dabei geht es nicht nur um einen Grillplatz und einen Kräutergarten, besprochen wird auch der erst in Ansätzen gestaltete Grünbereich zwischen den Gebäuden und der Bahnlinie.

Mitreden bei der Gestaltung? Es gehört zu den Grundideen dieser Siedlung, dass die Mieter ihren

Lebensraum prägen. Die Genossenschaft Am Hof richtet sich an eine altersmässig durchmischte Zielgruppe von 50+, welche die zweite Lebenshälfte selbstständig anpacken möchte und Gesellschaft sucht. Dank steigender Lebenserwartung bleiben ältere Leute immer länger in der eigenen, zunehmend unpraktischen Wohnung.

Vormittags fungiert ein Bewohner als Concierge
Dort vereinsamen sie oft; kommen sie dann ins Altersheim, vermögen sie nur noch schwer neue Kontakte zu knüpfen, denn die Altersheime mutieren immer mehr zu Pflegeheimen von Hochbetagten. Die Genossenschaft Am Hof bietet eine lebhafte Alternative – und bewusst keine Pflegeabteilung. Dafür ist die regionale Spitex im Parterre zu finden. Dort gibt es auch einen Coiffeur, einen Optiker, einen Kiosk und einen Weltladen; dank der zentralen Lage sind viele weitere Geschäfte und der Bahnhof gut erreichbar.

Durrer Linggi Architekten haben die Überbauung Am Hof in Zusammenarbeit mit BEM-Architekten entwickelt. Das Projekt wurde in nur anderthalbjähriger Bauzeit realisiert und kostete 23 Millionen Franken. Die ungewöhnliche Aufteilung in einen langen Zeilenbau und einen rhomboiden Punktbau ergab sich gemäss Patrik Linggi durch die Vorgabe der Wettbewerbsausschreibung, weil mit zwei Grundbesitzern verhandelt und deshalb mit einer Etappierung gerechnet werden musste. Der Zeilenbau zeichnet den topografischen Verlauf im Talboden zwischen Gurten und Könizerberg nach und schirmt auch vom Lärm der Strasse ab; der Knick auf der Strassenseite signalisiert den Eingang, wo vormittags jeweils jemand aus der Bewohnerschaft als Concierge wirkt. Dass sich in diesem Bereich der einzige Lift des 90 Meter langen Gebäudes befindet, hat nicht nur Spargründe. Patrik Linggi sagt, dass man mit der zentralen Erschliessung die spontane Kontaktaufnahme erleichtern wolle. Begegnungen sind vor allem in den Nischen auf den Laubengängen möglich, die zu den Wohnungen führen. Anna Thüler von der Verwaltung bestätigt, dass diese Zonen gut genutzt werden.

Die Wohnungen lassen von zwei Seiten Licht einströmen und wirken grosszügig, vor allem die Küche und die Loggia auf der ruhigeren Gartenseite. Dass hier für eine spezielle Zielgruppe altersgerecht gebaut wurde, erkennt man nur bei genauem Hinsehen. Im Badezimmer etwa hat der Duschbereich weder eine Schwelle noch eine Kabine. Die Schränke sind nicht über dem Lavabo, sondern daneben angebracht, damit sie auch vom Rollstuhl aus zugänglich sind. Die Grundrisse der Wohnungen wirken lebendig, da viele Wände nicht im rechten Winkel zueinander stehen. Das ist vor allem im Punktbau der Fall, wo die Wohnungen windmühlenartig um das zentrale Treppenhaus angeordnet sind.

Die Altersstruktur ist einiges höher als angestrebt
«An den schiefen Winkeln hat sich noch niemand gestört», sagt Anna Thüler, «obwohl sie die Möblierung erschweren.» Der Punktbau mit seinen etwas grösseren und teureren Wohnungen wurde bewusst auf Leute ausgerichtet, die eher für sich sein wollen. Diese Absicht ist auch im Eingang und im Treppenhaus spürbar – und wirkt sich offenbar abweisend auf potenzielle Mieter aus. Ein gutes halbes Jahr nach Bezug sind hier nämlich erst 5 von 16 Wohnungen vermietet, während es im Zeilenbau 31 von 33 sind.

Die Genossenschaft Am Hof hat auch die Erfahrung machen müssen, dass die Altersstruktur wesentlich höher als angestrebt ist und eher 60+ entspricht. Bislang ist es ihr auch nicht gelungen, einen attraktiven Aussenbereich zu schaffen. Es fehlt etwa ein öffentliches Café, vor allem aber wurde das Potenzial des grossen Gartens noch nicht ausgeschöpft, obwohl dafür ein Gestaltungskonzept von Hager Landschaftsarchitektur existiert. Vielleicht sorgen jetzt die Mieter dafür, dass dieser Makel behoben wird – und noch mehr Gleichgesinnte herziehen.

Altersgerechtes Wohnen
Gebäude werden nicht allein dadurch altersgerecht, dass man sie hindernisfrei gestaltet. Die Age-Stiftung für gutes Wohnen im Alter zeigt in einer Broschüre auf, wie vielfältig die Anforderungen sind. Noch weiter geht die Genossenschaft Zukunftswohnen. Sie sucht die Zusammenarbeit mit künftigen Bewohnern, wenn sie mit Gemeinden und Investoren passende Wohnangebote entwickelt. Sie übernimmt die Vermietung und den Betrieb der Liegenschaften und fördert mittels Coaching das Zusammenleben der Mieter.